Die Eheleute Heyder aus Trenthorst haben seit zehn Jahren eine der ersten privaten Solaranlagen Stormarns auf dem Dach. Die "Überzeugungstäter" bereuen es nicht.
Nach hinten hinaus liegt das Grundstück am Trenthorster See. Mit ebensolcher Freude blicken Waltraut und Dr. Karl Heyder aus ihrem Wohnzimmer nach vorn, auf ihr zweites Häuschen, genau gegenüber.
Dort sitzt auf der breiten Dachgaube eine kaum sichtbare Solaranlage, die im Haus darunter für Warmwasser aus Sonnenenergie sorgt. Und über den Köpfen der Eheleute arbeitet eine Photovoltaikanlage, deren Sonnenstrom sie ganzjährig ins öffentliche Netz einspeisen. Die Anlagen laufen seit zehn Jahren - Familie Heyder gehört zu Stormarns Pionieren der Sonnenenergienutzung.
"Die Anlagen sind seit zehn Jahren ohne Störung in Betrieb", freut sich das Ehepaar. Nur der Wechselrichter, der den Gleichstrom in den benötigten Wechselstrom umwandelt, musste einmal ausgetauscht werden. Die Garantiezeit war gerade vorbei. Das kostete 500 Euro. "Das war ein Klopper", findet Waltraut Heyder, die die Ausgabe trotzdem nicht eine Sekunde bereut hat. Sie und ihr Mann sind "Überzeugungstäter". Es geht ihnen an erster Stelle um die Umwelt.
Die heute 70-Jährige war einst die treibende Kraft. Sie wollte nun, da die Ausbildung der Kinder geschafft war, Geld in Stromgewinnung ohne Treibhauseffekt und radioaktives Restrisiko stecken.
Ihr gleichaltriger Mann war mit seiner Naturverbundenheit voll auf ihrer Linie, damals aber noch als Arzt tätig. So nahm die Diplom-Psychologin, die mit vier Kindern nur noch ehrenamtlich tätig war, die Sache in die Hand.
Im Jahr 2000 machte die Kirchengemeinde Klein Wesenberg mit einem damals fast visionär anmutenden Vorhaben Schlagzeilen: Auf das Dach des Kindergartens sollte mit Hilfe von Förderprogrammen eine 36 Quadratmeter große Photovoltaikanlage gesetzt werden. Der Gewinn sollte teilweise in ein Solarprojekt in Tansania fließen. Bevor das Vorhaben 2001 tatsächlich realisiert wurde, veranstaltete die Gemeinde ein "Solarfest".
Dabei lernte Waltraut Heyder die Firma "Natur und Technik" kennen. Zur Jahreswende 2001/02 baute das Unternehmen auf das von den Eltern genutzte Trenthorster Häuschen in Richtung Süden eine 25 Quadratmeter große Photovoltaikanlage für Stromproduktion. Auf die Garage kamen zwei 2,2 Quadratmeter große Flachkollektoren für Warmwassergewinnung. Beim zweiten aus der Zeit um 1900 stammenden Haus in Familienbesitz, das ab dem Teenageralter das Reich der Kinder war, konnte die südliche Dachgaube für drei solcher Kollektoren genutzt werden. Die Erfahrung aus zehn Jahren bestätigt die rechnerischen Werte für die damals sehr teure Photovoltaikanlage. Bei durchschnittlichem schleswig-holsteinischem Wetter soll die Investition für die 2,5-Kilowatt-Anlage nach 20 Jahren wieder hereingeholt sein. Die Einspeisevergütung ist auf 20 Jahre mit 50,62 Cent (anfangs 99 Pfennig) pro Kilowattstunde garantiert.
20 000 Euro (40 000 D-Mark) betrug die Investition. "E.on bezahlt rund 1000 Euro im Jahr. Die Anlage hat sich also, wenn alles reibungslos weitergeht, nach 20 Jahren amortisiert", bestätigt Waltraut Heyder. Bei der 8500 Euro teuren Warmwasseranlage kommen die Kosten wahrscheinlich schneller als in den kalkulierten 17 Jahren wieder herein. Denn: Heyders nutzen das warme Wasser auch für die Spülmaschine und für die Waschmaschine. "Das spart Strom, ich kann aber nicht belegen, wie viel." Sehr genau lässt sich hingegen am Zähler im Flur ablesen, wie viel Strom in der Photovoltaikanlage erzeugt wird. "Heute waren es bis 11.30 Uhr 3,3 Kilowattstunden", erklärte Dr. Karl Heyder beim LN-Besuch an einem sonnigen Vormittag in dieser Woche.
Weil ihre Solaranlage im Winter nicht ausreicht, beziehen die Eheleute ihr warmes Wasser dann aus der Zentralheizung. Die haben sie, wen wundert das, 2006 auf eine Pellet-Anlage umgestellt.
Sonnenanlagen für alle
Mit Bürger-Solarkraftwerken ist es inzwischen möglich, dass auch Menschen, die keine (geeigneten) Dachflächen besitzen, zu alternativer Stromgewinnung einen Beitrag leisten. In eine solche Riesenanlagen investierte inzwischen auch Familie Heyder, die ihr Geld so doppelt Geld gut angelegt sieht: für den Klimaschutz - und die Rendite beträgt sogar bis zu sieben Prozent. Ein Vorreiter für selbstverwaltete Bürgeranlagen im Land ist der Oldesloer Wolfgang Bartolain. Die Größte sitzt auf dem neuen Oldesloer Bauhof.
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